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Bischof ruft zu mehr Besonnenheit in der Katalonien-Debatte auf

Der katholische Militärerzbischof von Spanien, Juan del Rio Martin, ruft zu mehr Besonnenheit in der Katalonien-Debatte auf. Ohne die nach Unabhängigkeit von Spanien strebende Regionalregierung von Carles Puigdemont direkt anzusprechen, sagte er am Sonntag laut einem Bericht auf der Homepage der Zeitung "El Independiente", es gebe immer einen Weg zurück zur Legalität und zu dem in der spanischen Verfassung festgesteckten Rahmen.

In dem Gottesdienst in Toledo würdigte der Erzbischof dem Bericht zufolge zugleich die Rolle von Polizei und Sicherheitskräften. Sie hätten ihr Bestes zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung gegeben. Zugleich verwies er auf eine Erklärung der Spanischen Bischofskonferenz aus dem Jahr 2006, in der die Bischöfe jene nationalistischen Strömungen anerkannten, die "ohne Gewalt und mit demokratischen Mitteln die politische Einheit Spaniens zu verändern beabsichtigen". Voraussetzung sei allerdings, so die Bischöfe damals, dass die entsprechenden Vorstöße das Gemeinwohl der direkt und indirekt betroffenen Bevölkerung im Auge behielten.

Mit Blick auf die Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens warf Del Rio die Frage auf, ob es sinnvolle Begründungen für den Bruch der über Jahrhunderte gewachsenen Verbindungen zwischen Katalonien und dem spanischen Staat gebe.

Bei dem Referendum, das am vergangenen Sonntag trotz eines Verbots des spanischen Verfassungsgerichts und gegen den Willen der Zentralregierung stattfand, stimmten rund 90 Prozent der Wähler für eine Unabhängigkeit Kataloniens. Die Wahlbeteiligung lag bei 43 Prozent; der teilweise rabiate Einsatz von Polizei und Sicherheitskräften sorgte für Kritik. Regionalpräsident Puigdemont kündigte eine Sitzung des Regionalparlaments für Dienstag an. Dort könnte nach Ansicht von Beobachtern möglicherweise die Unabhängigkeit ausgerufen werden.

Unterdessen demonstrierten in der katalanischen Hauptstadt Barcelona Hunderttausende Menschen gegen eine mögliche Abspaltung von Spanien. Aus der katholischen Kirche waren zuletzt widersprüchliche Signale gekommen. So warf der Erzbischof von Oviedo, Jesus Sanz Montes, in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung der katalanischen Regionalregierung vor, Spanien und Europa mit einem Anti-System-Kurs "zu sprengen". Die Sezessionisten seien korrupte "Gentleman-Ganoven" und "Meister der Manipulation".

Die Spanische Bischofskonferenz hatte im Vorfeld des Referendums aufgerufen, die spanische Verfassung zu respektieren und von "unumkehrbaren und folgenschweren" Handlungen abzusehen. Ende September hatten sich dagegen mehr als 400 katalanische Priester und Diakone öffentlich hinter das Referendum gestellt.

KNA

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