NACHRICHTEN

Katholiken und Lutheraner in Ethikfragen weitgehend einig

Katholiken und Lutheraner in Deutschland sehen bei ihrem jeweiligen Menschenbild und in ethischen Fragen keine grundlegenden Unterschiede. Das geht aus dem am Mittwoch vorgelegten Papier "Gott und die Würde des Menschen" einer Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz und der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) hervor. "Auch hier gilt: Uns eint mehr, als uns trennt", erklärte der katholische Ökumenebischof Gerhard Feige. Der Catholica-Beauftragte der VELKD, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, sprach von einer "ökumenischen Selbstvergewisserung".

Das Dokument wurde vor dem Hintergrund bioethischer Differenzen zwischen Katholiken und Lutheranern erarbeitet, etwa bei der Stichtagsregelung in der Stammzellforschung oder bei der Frage der assistierten Selbsttötung. Anliegen sei es, "mögliche gegenseitige Irritationen durch einen methodisch angeleiteten Gesprächsprozess zu verringern, die Diskussion durch Differenzierung zu versachlichen und so sich auf den gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrag zu konzentrieren", heißt es im Vorwort des 170-seitigen Textes.
Darin werden unter anderem die ökumenische Dimension der Debatte um die Menschenwürde, die jeweiligen Prinzipien der ethischen Urteilsbildung sowie Perspektiven der theologischen Anthropologie aufgezeigt. Das Papier greift zudem die theologische Methodik des "differenzierten Konsenses" auf; so werden neben den Gemeinsamkeiten auch bestehende Unterschiede benannt und eingeordnet.
"Wir sind in unserem langen und intensiven Gesprächsprozess zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine grundlegende Übereinstimmung in der Anthropologie und ebenso eine breite Gemeinsamkeit in der Ethik gibt", erklärte der Magdeburger Bischof Feige in Bonn. Dies zeige sich auch daran, dass Katholiken und Lutheraner vor allem für die Würde jener einträten, "die unter Armut, Ausgrenzung und sozialer Ungerechtigkeit leiden". Zudem gebe es gemeinsame Positionen beim Lebensschutz, der Bewahrung der Schöpfung oder im Umgang mit Asylsuchenden.
Manzke erklärte in Hannover, bei den bioethischen Diskussionen der vergangenen Jahre habe in den Kirchen der Verdacht im Raum gestanden, "dass gemeinsame Positionen verlassen wurden". Die Ökumene sei aber nur dann auf einem guten Weg," wenn solche Irritationen offen angesprochen und bearbeitet werden". Die Kirchen hätten vor der "Aufgabe einer innerkonfessionellen und ökumenischen Selbstvergewisserung" gestanden, damit die Turbulenzen in einigen ethischen Fragen nicht der Ökumene insgesamt schadeten. - Manzke leitet die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe.
Der nun vorgelegte Text wurde von der dritten Bilateralen Arbeitsgruppe von Bischofskonferenz und VELKD seit 2009 erarbeitet. Dem Gremium, das zuletzt von Feige und Manzke geleitet wurde, gehörten jeweils sieben Mitglieder beider Konfessionen an. Die vorausgehenden Arbeitsgruppen hatten die Dokumente "Kirchengemeinschaft in Wort und Sakrament" (1984) und "Communio Sanctorum" (2000) herausgegeben, die als wegweisend für den ökumenischen Dialog in Deutschland und darüber hinaus galten. Zur VELKD gehören sieben lutherische Landeskirchen mit zusammen rund 9,5 Millionen Gläubigen.

KNA

Heiliger des Tages

Umfragen

Bistum Augsburg

> Ausgabe 9/2017: Ottmaringer Erklärung der Fokolar-Bewegung
> Ausgabe 6/2017: Wort der deutschen Bischöfe – Einladung zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral im Licht von Amoris laetitia
> Ausgabe 3/2017: Botschaft von Papst Franziskus zum 103. Welttag des Migranten und Flüchtlings
> Ausgabe 51/52: Botschaft des Heiligen Vaters Papst Franziskus zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 2017
> Ausgabe 49/2016: Ökumene ist Rückkehr zum Auftrag. Eine Zeitansage zur Einheit der Christen von Bischofsvikar Prälat Bertram Meier.
> Ausgabe 47/2016: Apostolisches Schreiben von Papst Franziskus „Misericordia et misera“ zum Abschluss des außerordentlichen heiligen Jahres der Barmherzigkeit
> Ausgabe 44/2016: Gemeinsames ökumenisches Gebet in der lutherischen Kathedrale von Lund: Homilie des Heiligen Vaters
> Ausgabe 44/2016: Gemeinsame Erklärung anlässlich des gemeinsamen katholisch-lutherischen Reformationsgedenkens; Lund, 31. Oktober 2016
> Ausgabe 41/2016: Interview mit Generalvikar Harald Heinrich über die Pastoralvisitation im Dekanat Benediktbeuern und zur Pastoralen Raumplanung
> Ausgabe 42/2016: Botschaft von Papst Franziskus zum Weltmissionssonntag am 23. Oktober 2016
> Ausgabe 36/2016: Botschaft von Papst Franziskus zum 50. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel am 11. September 2016
> Ausgabe 34/2016: Diözesanrichter Alessandro Perego erläutert das interne Vorgehen bei Missbrauchsfällen
> Ausgabe 33/2016: Interview mit Psychotherapeutin Helga Kramer-Niederhauser zum Thema Missbrauch und sexualisierte Gewalt
> Ausgabe 32/2016: Interview mit Brigitte Ketterle-Faber, Missbrauchs-Beauftragte der Diözese Augsburg
> Ausgabe 5/2015: Botschaft von Papst Franziskus zur Fastenzeit 2016
> Ausgabe 4/2016: Interview mit Dogmatik-Professorin Gerda Riedl über den Jubiläumsablass im Heiligen Jahr
> Ausgabe 53/2016: Botschaft des Heiligen Vaters Papst Franziskus zur Feier des Weltfriedenstages - 1. Januar 2016

Service

Info-Links