NACHRICHTEN

Kirchen appellieren an Verantwortung der Bundestagsabgeordneten

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben zahlreiche Politiker aller Fraktionen den ersten Sitzungstag des neuen Bundestages begonnen. Vertreter der beiden großen Kirchen erinnerten die Parlamentarier an ihre Verantwortung für das Allgemeinwohl und ihre Pflicht zur Wahrheit, Authentizität und Besonnenheit. Die Aufgabe als gewählter Volksvertreter sei eine der "anspruchsvollsten, verantwortungsvollsten, vornehmsten und ehrenvollsten", sagte der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Prälat Karl Jüsten, am Dienstagmorgen in der Französischen Friedrichstadtkirche.

Dabei könne es im Angesicht Gottes auch als Abgeordneter nur darum gehen, Sinnvolles und Gutes bewirken zu wollen, so Jüsten. Politiker hätten die Aufgabe, das Gemeinwesen zu gestalten und dabei das Optimale anzustreben.

Jüsten verglich die Aufgabe des Politikers mit der des Verkünders des Wortes Gottes. "Vielleicht hat mein Beruf mit dem Ihrigen etwas gemeinsam." Beide müssten die Menschen erreichen, ohne ihnen nach dem Mund zu reden. Sie müssten die Wahrheit sagen, keine falschen Versprechungen machen und nicht mit Ängsten spielen. Sie sollten authentisch sein und die Menschen dafür gewinnen, sich zu engagieren. "Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, dass aus jedem etwas wird, zumindest das, was er werden kann, und Perspektiven schaffen für das, was er werden will."

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Martin Dutzmann, appellierte an alle Abgeordneten, im Geist der Kraft, Liebe und Besonnenheit zu handeln und nicht im Geist der Furcht - Kraft in Momenten der Resignation, Liebe für den politischen Gegner und Besonnenheit gegen Pauschalurteile.

Jüsten bekräftigte, er wünsche sich auch in der kommenden Legislaturperiode eine Kultur, in der die demokratischen Tugenden über alle Fraktionsgrenzen hinweg gelebt würden. Wenn jeder sich bemühe, im "sachlichen und in einem moralischen Sinne, in einem menschlichen und charakterlichen" ein guter Politiker zu sein, denke er, dass das Zusammenarbeiten der Fraktionen möglich sei.

Dabei könnten Politiker noch so akribisch versuchen, "es allen recht zu machen, aber alles wird sich nicht gerecht und optimal regeln lassen". Es gebe stets unvorhergesehene Ereignisse, in Deutschland und weltweit, insofern sei nicht alles in einem Koalitionsvertrag vorwegzunehmen, so Jüsten.

Zu dem Gottesdienst waren unter anderen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vertreter der Union, SPD, Grüne, Linke, FDP und AfD gekommen.

Im Anschluss an den Gottesdienst beginnt um 11.00 Uhr die konstituierende Sitzung des 19. Bundestages. Auf der Tagesordnung stehen die Beschlussfassung über die Geschäftsordnung des Bundestages sowie die Wahl des Bundestagspräsidenten und seiner Stellvertreter.

KNA

Heiliger des Tages

Umfragen

Bistum Augsburg

Service

Info-Links