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Misereor sieht Irak nach Kurden-Referendum vor Zerreißprobe

Das katholische Hilfswerk Misereor sieht den Irak nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden vor einer Zerreißprobe. „Die Sorge um eine wachsende Instabilität im Vielvölker- und Vielreligionen-Staat Irak ist dadurch nicht geringer geworden“, sagte Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon am Dienstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Aachen.

Die Misereor-Partner in der Region befürchteten große politische Spannungen, „die sich vor allem auf die wirtschaftlichen Beziehungen zur Zentralregierung in Bagdad und zu den Nachbarländern ausweiten und die Bewegung und Transport stark einschränken könnten“.

Bei dem Referendum vom Montag sprach sich ersten Angaben zufolge eine große Mehrheit der Wähler für eine Unabhängigkeit vom Rest des Landes aus. Der Norden gilt als eine der wirtschaftlich stärksten und politisch stabilsten Regionen des vom Terror des „Islamischen Staats“ (IS) und weiteren inneren Konflikten erschütterten Irak.

Das Ergebnis des Referendums verwundere nicht, so Bröckelmann-Simon, der unlängst erst im Nordirak war. „Die durch den Kampf gegen den IS bedingten tektonischen Verschiebungen im fragilen territorialen Gefüge des Irak sind nun offenbar geworden. So sehr angesichts der leidvollen Geschichte der Kurden in den letzten Jahrzehnten der Wunsch nach Unabhängigkeit verständlich ist, so sehr muss nun die internationale Gemeinschaft zugleich darauf drängen, dass konstruktive Verhandlungen beginnen.“

Es gelte, eine neue Welle der gewaltsamen Konflikte um Territorien „in dieser ohnehin extrem explosiven Region“ zu verhindern. „Dabei muss insbesondere auch der Schutz der Rechte von religiösen und ethnischen Minderheiten wie der Christen und Jesiden, der Turkmenen, der Assyrer und der Armenier, aber auch der Ausgleich zwischen Sunniten und Schiiten auf die Tagesordnung“, forderte Bröckelmann-Simon.    KNA

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