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Schulexperten beklagen antisemitisches Mobbing in Berlin

Etwa sechs bis acht Schüler wechseln im Jahr laut des Schulleiters des Berliner Jüdischen Gymnasiums, Aaron Eckstaedt, wegen antisemitischer Vorfälle auf seine Schule. "Die Zahl ist seit Jahren konstant", sagte er im Interview mit der "Jüdischen Allgemeinen" am Donnerstag. Im Schulausschuss der Jüdischen Gemeinde sei es kürzlich Thema gewesen, dass im Moment ein "manifest äußernder Antisemitismus von Schülern arabischer Herkunft" zu beobachten sei. "Diese Feindschaft basiert auf Nichtwissen und Vorurteilen", so Eckstaedt. Antisemitismus sei ein gesellschaftliches Problem.

Der Schulleiter kritisierte, dass Schulen teils institutionell überfordert seien. "Sie soll alles lösen, was die Gesellschaft nicht lösen kann. Es brodelt immer irgendwo. Wenn so etwas passiert, gibt es einen offiziellen Notfallplan des Berliner Senats", erklärte er. Es sei wichtig, möglichst schnell zu reagieren und die entsprechenden Schritte einzuleiten. "Zuerst schütze ich das Opfer, dann schalte ich andere Stellen ein wie Klassenlehrer, Schulpsychologen, Klassenkonferenz, Schulaufsicht, Antidiskriminierungsstelle", so Eckstaedt. Präventivmaßnahmen reichten da nicht mehr aus.
Eckstdedt berichtet von Fällen, in denen Schüler etwa Referate zum Judentum und zu jüdischen Feiertagen hielten und sich damit als Juden zu erkennen gaben. Dies habe Bemerkungen mit mobbendem Charakter nach sich gezogen. "Wer so etwas erlebt hat, will oft nicht mehr in die Klasse zurück", so der Schulleiter.
Auch der Koordinator der Berliner Salaam-Shalom Initiative, Armin Langer, sieht Mobbing als ernstes Problem an Berliner Schulen. Es werde aber zu spät erkannt, sagte er der Zeitung "neues deutschland". Er glaube allerdings nicht, dass das Problem nicht ernst genommen würde. "Schulleiter und Lehrer sind schlicht überfordert. Die finanziellen und menschlichen Ressourcen fehlen", so der Mitarbeiter der Initiative, die sich nach eigenen Angaben für ein friedliches Miteinander von Juden und Muslimen einsetzt.
Als Konsequenz aus antisemitischen Vorfällen forderte Langer mehr Aufklärungsarbeit an den Schulen und eine juristische Bestrafung der jugendlichen Gewalttäter. Keine Schule dürfe Mobbing zulassen. "Dabei ist es egal, aus welchem Grund das Mobbing passiert." Lehrerinnen und Lehrer müssten für alle Formen der Diskriminierung im Klassenzimmer sensibilisiert werden.
Am vergangenen Wochenende wurden Antisemitismusvorwürfe an einer Schule in Berlin-Friedenau bekannt. In dem Fall geht es um einen 14-jährigen jüdischen Schüler, der Opfer antisemitischer Beleidigungen und körperlichen Attacken wurde. Die Eltern des betroffenen Jungen, der inzwischen die Schule verlassen hat, werfen der Schulleitung vor, zu spät auf die Attacken seitens türkisch- und arabischstämmiger Schüler reagiert zu haben. In einem offenen Brief zeigte sich die Leitung der Friedenauer Gemeinschaftsschule entsetzt über den Vorfall und erklärte, dass sie gegen die mutmaßlichen Täter Strafanzeige erstattet habe.

KNA

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