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Weitere Jahrgänge der Faulhaber-Tagebücher online einsehbar

Zwei weitere Jahrgänge aus den Tagebüchern des Münchner Kardinals Michael Faulhaber (1869-1952) sind jetzt vollständig online zugänglich. Dabei handelt es sich um Notizen aus den Jahren 1918 und 1934, wie die Pressestelle des Erzbistums München und Freising am Dienstag mitteilte. Verantwortlich für die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte kritische Online-Edition sind das Münchner Institut für Zeitgeschichte und das Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte in Münster. Kooperationspartner ist das Erzbischöfliche Archiv München, in dem die Tagebücher aufbewahrt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung heißt es, die Notizen von Faulhaber aus den Jahren 1918 und 1934 zeigten den Münchner Erzbischof unter anderem als "kriegsmüden Feldpropst" und als Opfer eines Attentats. Darüber hinaus lasse die unter www.faulhaber-edition.de abrufbare Online-Edition an vielen Stellen erkennen, wie Faulhaber die Jahrhundertkatastrophen des Ersten Weltkriegs und der NS-Diktatur wahrgenommen habe. Erste Quellen gingen bereits 2015 online.
Der Mitteilung zufolge klagte Faulhaber am 3. September 1918 über "Militaria ohne Ende". Am 1. Oktober hielt er fest, sein Generalvikar Sebastian Huber sei "ernst und zitternd vor Aufregung" aus einer Sitzung der Zentrumspartei gekommen. "Die militärische Lage furchtbar ernst, nicht bloß nach Osten, sondern auch im Westen. Im Inneren ebenso." Innerhalb von 24 Stunden könne, so zitierte Faulhaber den Generalvikar, eine "Wendung" kommen; der Episkopat müsse, wie in der Revolution von 1848, etwas tun. "Ich werde rundschreiben", notierte der Erzbischof.
Weiter geht aus den Tagebücher hervor, dass Faulhaber zu Beginn des Jahres 1934 heftigen Angriffen durch führende Nationalsozialisten ausgesetzt gewesen sei. Diese hätten seine Adventspredigten von 1933 als scharfe Kritik an Rassenideologie und Antisemitismus wahrgenommen. In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar 1934 schossen laut den Aufzeichnungen Unbekannte mehrmals auf die Fenster von Faulhabers Sprechzimmer im Erzbischöflichen Palais.
"Ich habe in der Nacht nichts gehört - außer während Rosenkranz, wobei Auto Geräusch verdecken kann. Die Wehrmannpistole nicht sehr laut", schrieb Faulhaber am 28. Januar. Trotz des Anschlags versuchte er laut Mitteilung weiter, mit den Machthabern konstruktiv zusammenzuarbeiten. Schon zwei Tage später notiert er: "Heute nationaler Grosstag (1. Gedenkjahr der Machtübernahme Hitlers als Reichskanzler) - am Haus zwei Fahnen ausgehängt - über den zerschossenen Scheiben. Übernahme war legal, also mitfeiern."
Die DFG fördert das auf zwölf Jahre angelegte Vorhaben seit 2014, wie es hieß. Im vergangenen Jahr sei die zweite Projektphase bis Ende 2020 bewilligt worden. Die Einträge aus den Tagebüchern müssen zunächst aus der Kurzschrift Gabelsberger übertragen werden, die nur noch wenige Experten entziffern können. Zur Unterstützung der Arbeiten hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx ebenfalls Mittel zur Verfügung gestellt.

KNA

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