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Woelki: Ökumene ist mehr als Burgfrieden

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ruft die christlichen Konfessionen zu einem stärkeren gemeinsamen Glaubenszeugnis auf. Zwischen den Kirchen dürfe es "nicht bloß um einen Burgfrieden" gehen, sagte der Erzbischof am Sonntag bei einem Gottesdienst im Kölner Dom. Ökumenisches Ziel müsse mehr sein als "gegenseitiges Einvernehmen"; notwendig sei ein "Einverständnis". Bei der Messfeier wurde auch die neue Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. (1920-2005) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Fortschritt besteht laut Woelki nicht in Konsenspapieren, so wichtig diese für die Theologie auch seien. Der Kardinal plädierte für eine tiefere Gemeinschaft mit Christus, die sich dann hoffentlich eines Tages auch in einer vollen Kirchengemeinschaft auswirken werde. "Das gemeinsame Zeugnis für Christus vor der Welt ist darum vorrangige Aufgabe auf unserem ökumenischen Weg in die Zukunft", sagte Woelki laut Redemanuskript. Er äußerte sich am Abschlusstag der diesjährigen Domwallfahrt. Sie war aus Anlass des Reformationsgedenkjahres unter das Leitwort "Alle sollen eins sein" gestellt worden.

Die Blutreliquie des früheren Papstes ersetzt eine am 4. Juni 2016 gestohlene Ampulle, die ein Tüchlein mit einem Blutstropfen des heiliggesprochenen Kirchenoberhauptes enthielt. Woelki hatte die Reliquie zu seinem 60. Geburtstag am 18. August 2016 vom Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz erhalten. Der Ort ihrer Aufbewahrung im nördlichen Querhaus des Doms wurde künstlerisch neu gestaltet und stärker abgesichert.

Unbekannte hatten die erste Reliquie aus dem vom Düsseldorfer Künstler Bert Gerresheim geschaffenen Schaugefäß, dem sogenannten Reliquiar, herausgebrochen. Dieses wird jetzt durch drei von dem Kölner Bildhauer Matthias Heiermann entworfene Glasscheiben kreisförmig umrahmt. Darauf ist in 14 Sprachen ein Zitat aus der ersten Predigt des polnischen Papstes zu lesen: "Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!"

Woelki verwies in seiner Predigt auf das Anliegen von Johannes Paul II., dass die Kirchen in Erinnerung an Märtyrer des 20. Jahrhunderts einander näher kommen. In diesem Sinne hob der Erzbischof das gemeinsame Schicksal des evangelischen Pastors Dietrich Bonhoeffer und des katholischen Paters Alfred Delp hervor. Beide seien von den Nationalsozialisten 1945 umgebracht worden, weil ihr deutliches Zeugnis für Christus zum "Gegenzeugnis gegen den Nationalsozialismus" geworden sei.

KNA

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