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Woelki will "alternative Leitkultur" - Kirche debattiert mit

Rund eine Woche nach dem umstrittenen Vorstoß von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) zu einer deutschen Leitkultur melden sich zunehmend mehr Kirchenvertreter zu Wort. "Der Boden unserer Kultur und des Grundgesetzes war und ist das Evangelium und das Christentum", betonte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick am Sonntag bei einem Gottesdienst in Nürnberg. "Das zu erhalten, ist unsere Aufgabe." Dies müsse auch bei der Argumentation bedacht werden, wonach die deutsche Leitkultur sich aus der Verfassung herleite. Das Grundgesetz der Kirche sei die Gottes- und Nächstenliebe.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki plädierte für eine alternative Leitkultur. "Am Leitbild Jesu und seiner Leitkultur der Liebe und Barmherzigkeit sollten wir uns eigentlich orientieren", sagte er am Sonntag dem Kölner domradio. Wenn zutreffe, dass Gott alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Herkunft geschaffen habe, dann seien auch "alle Menschen meine Schwestern und Brüder". Wer Armen helfe, Kranke pflege, Hungrigen Brot reiche, Gefangene besuche und Fremde aufnehme, der liebe Gott. "Diese Kultur der Liebe und Barmherzigkeit, das ist meine Leitkultur."
Zuvor hatten sich bereits andere Kirchenvertreter geäußert. "Ich hänge überhaupt nicht am Begriff Leitkultur", sagte etwa der katholische Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße. "Mir ist wichtig, dass wir über das, was unser Land zusammenhält, im Gespräch sind." Das seien etwa das Grundgesetz, die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Bildung und Kultur. An dem Dialog sollten sich sowohl Einheimische als auch Fremde beteiligen.
Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagte, er begrüße die Debatte um eine deutsche Leitkultur zwar grundsätzlich. Er betonte jedoch, die Diskussion dürfe nicht auf "Stammtischniveau" und nicht nur im Vorfeld von Wahlen geführt werden.
Vor einer Woche hatte de Maiziere seine zehn Thesen veröffentlicht, die seit Tagen kontrovers diskutiert werden. Darin beschreibt er unter anderem Religion als "Kitt und nicht Keil der Gesellschaft". An anderer Stelle schreibt er, Deutschland sei eine offene Gesellschaft. Dazu gehörten auch soziale Gewohnheiten, etwa, dass man zur Begrüßung die Hand gebe und seinen Namen nenne. Allen, die ins Land kommen und bleiben dürfen, "reichen wir unsere ausgestreckte Hand". Doch wer die Leitkultur nicht kenne, vielleicht nicht kennen wolle oder ablehne, dem werde Integration kaum gelingen.

KNA

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